Rendsburg im 30jährigen Krieg

 

Die ersten Jahre des 30jährigen Kriegs  waren in Rendsburg kaum zu spüren. 1625 machte sich der Krieg für die Rendsburger bemerkbar.
Bis 1627 war der Krieg noch weit weg.
Er wurde auf dem Territorium des Heiligen Römischen Reiches geführt.
Die Rendsburger litten lediglich unter Truppenbewegungen, 
da die Festung Sammelplatz für die dänischen Truppen war.
Kasernen gab es noch nicht, daher wurden die Soldaten in Bürgerhäusern einquartiert und auch für deren Verpflegung mussten die Einwohner sorgen. Dafür erhielten sie eine gewisse Entschädigung. 
Durch übermäßigen Genuss von Bier und Wein während des Aufenthalts blieben Zwischenfälle zwischen Soldaten und Einwohnern nicht aus.
Erst nach der Niederlage 1626 gegen den Feldherrn Tilly bei Lutter und gegen Wallenstein bei Dessau kam Rendsburg als Festung wieder ins Gespräch, da nun mit einem Angriff der Kaiserlichen nach Norden gerechnet werden musste. 
Die Wallanlagen der Festung ließen stark zu wünschen übrig, da sich Christian IV. vor allem auf das von ihm gegründete Glückstadt als Festung verließ. 
Nun wurden die Wälle und anderen Befestigungen notdürftig in aller Eile ausgebessert.
Als Wallenstein mit 30.000 Mann tatsächlich vor Rendsburg stand, hatte Rendsburg knapp 2500 Mann zur Verteidigung aufzubieten. Sie bestanden aus dänischen, französischen und englischen Truppen.
Der Großteil der verbündeten Armeen hatte sich bereits,  nachdem sie den Vorort Vinzier angesteckt hatten, hinter die Eider zurückgezogen. Wallenstein forderte die Kapitulation der Festung, welche auch, nach kurzem Waffenstillstand zur Einholung der Genehmigung aus Kopenhagen, erfolgte. 
Von dem weiterhin auf deutschem Gebiet tobenden Krieg war Holstein wenig betroffen. Daher wurde auch an der Festung Rendsburg wenig getan.
Das Anrücken der dieses Mal feindlichen, schwedischen Armee Anfang 1644 kam überraschend, da kein konkreter Kriegsgrund vorlag. Wie schon 1627 sahen die Rendsburger, dass es keinen Sinn hatte, Widerstand zu leisten. Wieder wurde die Stadt eingenommen. Ungefähr ein halbes Jahr später wurde Rendsburg erlöst. 
Jetzt erschien das kaiserliche Heer, das 1627 als feindliche Armee gekommen war, um Rendsburg von den 1627 verbündeten, aber nun feindlichen Schweden, zu befreien.
Nachdem Rendsburg von der schwedischen Besetzung im August 1644 befreit wurde, erschienen die Schweden im März 1645 abermals vor der Stadt. Doch Rendsburg sollte nicht kampflos kapitulieren, sondern gehalten werden. 
Bisher war die Stadt mit ihren Bewohnern von den Kriegswirren relativ verschont geblieben.
Der Preis für die Kapitulationen 1627 und 1644 waren lediglich Einquartierungen und Stellung von Verpflegung sowie Geldforderungen. Jetzt sollte Rendsburg erfahren, was es hieß, sich zur Wehr zu setzen, und musste das Schicksal, das schon anderen Festungsstädten widerfahren war, teilen.
Primär sah das dänische Militär Rendsburg als Festung und nicht als Stadt. Auch die Wallanlagen waren mittlerweile wieder ausgebessert worden. Während der Besetzung mussten die Bürger die Soldaten unterstützen.  Männer wurden zur Bürgerwehr eingezogen. Sie verstärkte die regulären Truppen auf den Wällen.
Diese Maßnahme zeigt die besondere Kriegführung bei Belagerungen.  Im offenen Feldkampf verließen sich die Heerführer lieber auf bezahlte Söldner, die als Berufssoldaten ihr Handwerk verstanden.
Bei Belagerungen mussten alle zur Verfügung stehenden Kräfte mithelfen, auch Frauen, die sonst auf den damaligen Schlachtfeldern nichts zu suchen hatten. Die gesunkene Kampfstärke der Verteidiger wurde aber nicht nur durch Kampfeinwirkung herbeigeführt, sondern mit anhaltender Belagerung vor allem durch Krankheiten.
Die ersten Zerstörungen erfuhr Rendsburg aber nicht durch Feindeinwirkung, sondern durch die Verteidiger selbst. Die Vororte Vinzier, Kampen und Büdelsdorf wurden in Brand gesetzt, um ein freies Gelände vor der Festung zu haben, das gut überblickt werden konnte, und das keinerlei Deckung für angreifende Truppen bot.
Die großen Zerstörungen, die Rendsburg durch die Belagerung erlitt, wurden nicht durch die verhältnismäßig große Anzahl an Katauen herbeigeführt. Diese waren für den Direktbeschuss der Wallanlagen vor dem Sturm auf die Festung vorgesehen. Die Zerstörungen wurden durch ein einziges Geschütz erzielt.
Ein Mörser schleuderte zentnerschwere Steine, Feuerballen und mit Sprengstoff gefüllte Kugeln in die Stadt. 
Die Festung kapitulierte jedoch nicht, obwohl die Lage nach wochenlanger Belagerung und Beschuss nicht gut aussah. Lebensmittel wurden knapp und Krankheiten machten sich breit. Die Schweden wagten erst im Juni einen Sturmangriff vorzubereiten und forderten erneut die Kapitulation. Der Kommandeur der Festung Major Walther lehnte die Forderung nach einigen Tagen Bedenkzeit ab.
Bei der Überbringung der Nachricht erfuhr Major Walther, dass der Krieg mittlerweile zuende sei.
Rendsburg musste den Sturmangriff nicht mehr ertragen.
Am Tag der Übergabe war für die Schweden nur die Frage, ob sie oder die Stadt den Erfolg für sich verbuchen können. Das Ende des Krieges wurde gemeinsam in Rendsburg gefeiert.

 

Die Festung ''Rendsburg'' in der Draufsicht

 

 Quelle: www.uni-kiel.de/gza/5/Rendsburg/