Transnational Learning Network
Ein Schulentwicklungsprojekt
im Comenius-Förderprogramm

 

Globalisierung in der Sprache ( Simon Rüschkamp )

1. Anglizismen
Ein Beispiel für Globalisierung, wie wir es in unserem Alltag vorfinden, ist der enorme Zustrom tatsächlich oder nur scheinbar englischer Wörter in die deutsche Sprache, sogenannte Anglizismen. Das Auftreten dieser Anglizismen scheint gerade in letzter Zeit erschreckend zugenommen zu haben. Keine Firma, ob sie international operiert oder nicht, die etwas auf sich hält, benutzt mehr deutsche Slogans, in der Wirtschaft wird Englisch gesprochen und auch unsere ganz normale Alltagssprache ist voll von englischen Einflüssen. Aber was ist eine ”Party” anderes als eine Party, ein ”Event” anderes als ein Event? Manche Dinge sind einfach ”cool”, kühl oder nicht, ein ”Dressman” ist ... ja , ein männliches ”Model”, ein Dressman halt. Es liegt nahe, dass mit all den Einflüssen, Produkten, Methoden und Erkenntnissen Namen für die vielen neuen Dinge ins Land kommen, für die man hier noch keinen passenden Namen hat. Das ist ein natürlicher Vorgang, lebendige Sprachen pflegen sich zu ergänzen und solange es im erträglichen Rahmen bleibt, kann bei einem derartigen Austausch eine Sprache nur dazugewinnen.

Belustigend, aber auch beunruhigend wird es, wenn grundlos altgediente deutsche Wörter, an deren Verständlichkeit es nichts zu bemängeln gibt, ersetzt werden durch englische: So wie sich zum Beispiel einige Telefongesellschaften in den Kopf gesetzt zu haben scheinen, dass das gute alte Orts- oder Stadtgespräch ersetzt gehört durch den ”City Call”, im Restaurant die Selbstbedienung dem ”Self Service” Platz machen muss oder im Fußball die lieben Heim- und Auswärtstrikots von den (man beachte das saubere Englisch!) ”Home- and Away- Shirts abgelöst werden. Hier scheint also eine Tendenz zur Vermeidung der deutschen Sprache zu bestehen, als wäre es Ausdruck eines Mangels sich auf Deutsch zu äußern oder anders gesagt, chic sich des Englischen selbst im unnötigsten Falle zu bedienen. Auch ist es merkwürdig, wenn, wie es beispielsweise in der Werbung und im Flugwesen geschieht, Fachsprache blockweise übernommen wird, die Syntax jedoch deutsch bleibt: “Ich fliege leader. Wir machen den climb-out in parade formation. Wenn wir airborne sind und das landing-gear hoch is, gibt jeder...” deutscher Luftwaffenoffizier 1963. Dieser Umstand ist sicher in vielen Fällen amüsant, man achte beispielsweise auf die ratlose Reaktion eines Engländers, den man um sein ”Handy” bittet, oder überlege sich, dass das Wort ”Dress”, das wir im Deutschen wie selbstverständlich etwa für die Trikots von Fußballmannschaften, im Englischen ein ”formelles Damenkleid” beschreibt.

Oder das ”Bodybag”, bei dem im Deutschen eine moderne Tasche, die an einem breiten Träger quer über den Oberkörper getragen wird, gemeint ist, im Englischen allerdings ”Leichensack” heißt.

Es ist sicher auch Zeichen einer hohen Weltoffenheit, eines Zusammenwachsens der Völker und der hohen Wichtigkeit des Englischen in der Welt, das einem eine Möglichkeit der internationalen Verständigung gibt, für die man dankbar sein muss. Andererseits ist es aber auch eine der größten Gefährdungen unserer Sprache überhaupt. Es zeigt außerdem, dass in Zukunft alle Sprachen hinter dem Englischen zurückgestuft sind.
Es stellt sich die Frage: Sehen sich auch andere Länder mit diesem Problem konfrontiert?

    

2. In der Vergangenheit
Interessant ist, dass diese Entwicklung nicht die erste ihrer Art ist. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts begann eine Vielzahl, damals französischer, Wörter ins Deutsche einzufließen.

Diese Bewegung, zusammengefasst unter dem Begriff ”Alamodewesen”, begründete sich im Anfang aus dem rasanten Aufstieg der französischen Kultur und der enormen Macht des französischen Königtums, aber auch aus der politischen Zersplitterung, die zu dieser Zeit auf deutschem Boden stattfand. Sie wurde angetrieben vom deutschen König Karl V. (1519-1556), der den gesamten Briefverkehr mit anderen Adeligen auf Französisch betrieb, weshalb das Französische im Adel schnell eine sehr hohe Stellung einnahm. Beeindruckt von der französischen Kultur kopierte man an deutschen Höfen Sitten und Moden aus Frankreich, das Volk orientierte sich am Adel und der dreißigjährige Krieg, mit seinen vielen französischen Soldaten, tat sein übriges, so dass das Alamodewesen sich auf einen Großteil der Gesellschaft ausdehnen konnte. So bemerkte beispielsweise Christian Thomasius: ” Bey uns Teutschen ist die französische Sprache so gemein worden, dass an vielen Orten bereits Schuster und Schneider, Kinder und Gesinde dieselbige gut genug reden.”. Dieser Zustand setzte sich fort. Noch 1750 konnte Voltaire aus Potsdam vom Hofe König Friedrichs II von Preußen folgendes berichten: “ Ich bin hier in Frankreich. Man spricht unsere Sprache, das Deutsche ist nur für die Soldaten und Pferde.” Wer nun des Französischen nicht mächtig war, der versuchte wenigstens, möglichst viele ihm bekannte französische Wörter ins Deutsche hinüberzutragen.

Er betrieb Conversation, machte Complimente, trieb Plaisir und Coquetterie und fand ein wirkliches Plaisir daran, so zu palieren. Auch damals sah man eine Gefahr für die Muttersprache in dieser Entwicklung und es begannen zum einen, sich Satiriker des Themas spöttisch anzunehmen, zum anderen bildeten sich sogenannte Sprachgesellschaften. Die bekannteste Vereinigung deren Aufnahmebedingungen nicht etwa hohe Geburt oder Stellung war, sondern Liebe zur Muttersprache und der Wille Ihr zu dienen, war die ”Fruchtbringende Gesellschaft”, genannt ”Palmenorden”, der 1617 von Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen in Weimar gegründet wurde. Im selben Jahr hat auch Martin Opitz (allerdings in lateinischer Sprache) einen Protest geschrieben, der sich gegen die Vernachlässigung der Muttersprache richtete. Er verfolgte das selbe Ziel wie der Palmenorden, nämlich dem Überhandnehmen des Fremdwortgebrauchs               

der Deutschen Einhalt zu gebieten und durch sorgfältige Pflege die Landessprache auf eine Höhe zu heben, die sie gegenüber den verfeinerten Kultursprachen Latein und Französisch konkurrenzfähig machen sollte. Diesen Sprachgesellschaften verdanken wir heute eine Vielzahl Neubildungen, denen wir jetzt nicht mehr ansehen, dass es sich bei ihnen um bewusst gebildete Kunstwörter handelt. So zum Beispiel Bücherei für Bibliothek, Anschrift für Adresse, Grundstein für Fundament, Stelldichein für Rendezvous (das inzwischen wieder gegen ”Date” ausgetauscht wurde....) oder Freistaat für Republik. Ende des 17.Jahrhunderts wurde das Französische dann langsam vom Englischen abgelöst, das davor kaum jemand gesprochen hatte. So entstanden auch hier neue Worte, wie etwa Freidenker (freethinker), Blutkreislauf (circulation of the blood), Pressefreiheit (freedom of the press), oder auch tote Sprache (dead languages), die es ohne den Einfluss des Englischen heute nicht geben würde, oder wurden einfach übernommen wie zum Bleistift Flirt, Lift, Waggon, smart, ect... Auch in diesem Fall regten sich, wenn auch leiser, Stimmen die sich gegen den ausländischen Spracheinfluss aussprachen, allerdings hatten sie diesmal (die erste Abhandlung zu diesem Thema trug den Titel ”Wider die Engländerei in der deutschen Sprache” und erschien 1909) einen fast weltanschaulichen Charakter und ließen vermuten, dass die Verfasser zum Großteil gegen jeden ausländischen Einfluss in Deutschland waren. Diese Vermutung haftet der Sprachpflege teils bis heute an.
Ist das nur in Deutschland so?

3. Esperanto
Ein anderes , diesmal ganz offensichtliches Beispiel für Sprachglobalisierung ist die 1887 von dem Warschauer Augenarzt Dr. Lejzer Ludwik Zamenhof (1859-1917) ins Leben gerufene Kunstsprache Esperanto ( nach Zamenhofs Pseudonym ”Dr. Esperanto” [deutsch: der Hoffende]). Zamenhofs Ziel war es mit einem der seiner Meinung nach zwei grundlegende Ursachen ( das Verständigungsproblem und die unterschiedliche Religion) des Konflikts zwischen den Völkern aufzuräumen. Zu diesem Zweck griff er die Idee von zum Beispiel Bacon, Descartes, Leibniz von  einer Universalsprache auf, die leicht erlern- und erkennbar sein sollte und somit Menschen unterschiedlicher Nationalität eine einfache Möglichkeit zur Verständigung bieten könne. Inzwischen gibt es Esperanto-Sprecher (sie selbst nennen sich ” Esperantisten” ) in etwa 120 Länden der Welt, ihre genaue Anzahl ist nicht bekannt, geschätzt sind es einige Hunderttausend. In etwa 1000 Familien wachsen Kinder mit Esperanto als Muttersprache auf.

Esperanto-Organisation wie zum Beispiel der Esperanto-Weltbund verstehen sich unter anderem als übernationale Bürgerinitiative für kulturelle Gleichberechtigung, Verwirklichung der sprachlichen Menschenrechte und Erhaltung der Sprachenvielfalt.

Hier stellt sich allerdings die Frage, inwiefern eine Organisation, die in gewisser Weise Nationalsprachen ersetzt, gleichzeitig zur Erhaltung der Vielfalt dieser Sprachen beitragen möchte.

Esperanto lehnt sich stark an die romanischen Sprachen an, vereinfacht diese allerdings in großem Umfang. So enden beispielsweise alle Substantive auf o und alle Adjektive auf a. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Esperanto zehnmal so leicht zu erlernen ist, wie jede andere Sprache, dafür gibt es aber auch keine Unterscheidung im Genus, und auch sonst mangelt es ihm sehr an sprachlicher Eleganz.

Angewendet wird Esperanto derzeit:

 

Quellen
Peter von Polenz: Geschichte der deutschen Sprache
dtv-Atlas zur deutschen Sprache
www.germanenglishwords.com
Christian Meier: Die Scharfsichtigkeit des Gemüts befördern
www.Esperanto.net/info/baza/de_eo-baza.html


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