Transnational Learning Network
Ein Schulentwicklungsprojekt
im Comenius-Förderprogramm

 

Globalisierung und Kulturschmelze ( Ulrich Pappa )

Während die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Globalisierung rege in der Öffentlichkeit diskutiert werden, bleiben die Auswirkungen auf Kultur und Alltagswelt häufig eher unbelichtet. Insbesondere die USA haben (neben immensem politischen und wirtschaftlichen Druck) auch großen kulturellen Einfluss in aller Welt.

 

Viele Menschen sehen im Zuge der Globalisierung eine gigantische „Kulturschmelze“, woraus ein trister Einheitsbrei zu entstehen droht. Hinzu kommt, dass die Strukturen der Globalisierung nicht unter gleicher Partizipation aller Kulturen entstanden sind, da es wenige sehr mächtige Nationen gibt, die auch immer mächtiger werden, und es viele sehr schwache Nationen gibt, die im Begriff sind unterzugehen.

 

Immer weiter breiten sich Güter und Ideen westlichen Ursprungs in aller Welt aus... Der Begriff „Amerikanisierung“ oder „Westernisierung“ beschreibt das, was man sich ganz bildlich als eine Big Macs essende, Jeans tragende und Popmusik hörende Gesellschaft vorstellen kann. So wird auch das Englisch überall auf der Welt immer wichtiger.

 

Man bedenke, allein der Konsum importierter Güter wirkt vereinheitlichend. Also wenn der Inuit so seinen Hamburger verputzt, passiert es automatisch, dass er seine traditionellen Lebensweisen ablegt, indem er importierte Güter und Ideen unhinterfragt annimmt. Er passt sich so  „fremden“ Lebensweisen an. …das hinter alle dem eigentlich nichts weiter als eine reine Profitgier steht, ist vielen Leuten gar nicht klar.

 

Doch während es bei der politischer und wirtschaftlicher Globalisierung viele Lösungs- und Verbesserungsvorschläge gibt, ist es weit schwieriger, negative Entwicklungen auf dem kulturellen Gebiet zu stoppen. Steuern, Gesetzte oder ähnliches sind fast nicht möglich.

 

Aber warum nehmen viele Völker (gerade in den Entwicklungsländern) einfach fremde Kulturen, Sprachen und Weltbilder an? Grund dafür ist häufig ein psychologisches Problem, das im Zuge der Globalisierung immer schwerer zu wiegen beginnt. Auf den vom Aussterben bedrohten Sprachen haftet nach Aussage der Sprachwissenschaftler der Makel der Minderwertigkeit gegenüber den „erfolgreichen“ Weltsprachen. Dies ist an vorderster Front natürlich Englisch, aber auch Spanisch, Chinesisch, Russisch und Arabisch gehören dazu. Da die europäisch, amerikanische Kultur im Augenblick die Welt überzieht mit dem ökonomischen Erfolg im Schlepptau, wird dieser automatisch identifiziert mit der entsprechenden Kultur und Sprache. Diesem Druck von außen kann eine Sprachgemeinschaft nur dann auf Dauer entgehen, wenn sie selbstbewusst mit ihrer eigenen Sprache verbunden ist. Dieses Prinzip lässt sich auf das gesamte Gebiet der Kultur so übertragen. Folglich hängt das Übernehmen von Fremdem stark mit dem Mangel an Stolz auf das Eigene zusammen.

 

Andererseits haben globalisierte Finanz- und Warenmärkte, weltweite Medienstrukturen und Migrationsströme zu einer exponentiellen Zunahme kultureller Austauschprozesse geführt. Klar, im Zuge dieser Kontakte verschwinden zahlreiche traditionelle Lebensformen und Denkweisen, doch führt der Globalisierungsprozess auch zur Entstehung neuer Kulturformen und Lebensweisen. Diese Durchmischung hat es auch schon immer gegeben. Durch Institutionen wie Archive, Museen und Schulen geht zugleich immer weniger Wissen verloren und neue Kommunikationstechnologien wie das Internet erleichtern den Zugriff auf Informationen. Dazu kommt, dass kulturelle Besonderheiten vor dem Hintergrund globaler Strukturen schärfere Konturen annehmen oder überhaupt erst geschaffen werden. Ja, wo man sich ein Bild davon machen kann, wie es sich in der Welt so verhält, erkennt man häufig erst wie einzigartig die eigene, sowie jede andere Kultur auf der Welt doch ist.

 

Nichtsdestotrotz, es gibt viele Probleme, die die Globalisierung mit sich bringt. Dabei ergibt es jedoch keinen Sinn, sich vollkommen abzukoppeln, oder eine Umkehrung des globalen Entwicklungsprozesses anzustreben. Um die negativen Aspekte der Globalisierung einzuschränken bedarf es geeigneten Strategien für die Bewältigung der neuen Erfahrungen. Um sich vor der Flut der amerikanischen Kunstprodukte zu schützen, gibt es bereits in vielen Staaten Europas die Regelung einer reduzierten Mehrwertsteuer auf eigene Kunstprodukte. Auch gibt es häufig festgelegte Mindestquoten für einheimische Sendungen im Fernsehprogramm. Dies sind Maßnahmen zum Schutze des eigenen Kulturguts. …damit wird natürlich nicht nur das Kulturgut geschützt, sondern auch die Kulturindustrie.

 

Besonders hart trifft die kulturelle Globalisierung aber die Entwicklungsländer. Sie sind schwächer und verletzlicher, oft wirtschaftlich und politisch noch sehr abhängig von den USA. Doch findet dort ebenso gerade ein Prozess der Rückbesinnung statt, zurück zur eigenen und ursprünglichen Kultur. Dies ist vorerst eine Abwehrreaktion, aber auch als ein Prozess der Selbstfindung nach jahrhundertelanger Besetzung zu verstehen. Ganz kurios… in Afrika sind christliche Lehren und Weltbilder, die von Missionaren dorther gebracht worden sind, meist mit den Naturreligionen verschmolzen. Neue, manchmal konfus scheinende neue Kulturen sind entstanden. Aber die allgemeine kulturelle Rückbesinnungsbewegung findet auch parallel statt zu einer immer stärker aufkommenden kritischen Einstellung afrikanischer Gelehrter zur Globalisierung. Denn afrikanische Staaten werden DIE Verlierer im Globalisierungsprozess sein. Die Kritik liegt dabei hauptsächlich auf dem Handeln der eigenen Staatsführer, die selber kräftig mitmachen bei der Ausbeutung ihrer Länder. „Zuwachs der Auslandsinvestitionen“ ist das Konzept vieler Regierungen. Das heißt konkret: Der Export der natürlichen Ressourcen Afrikas soll fortgesetzt werden, während die Bevölkerung immer weiter im Elend versinkt. Gleichzeitig wächst so die Abhängigkeit von der westlichen Wirtschaft.

 

Allgemein kommen vielerorts aufgrund der Entwicklung ins Globale Unsicherheiten auf. Dies ist eine Tendenz die den Prozess der Globalisierung umdreht - Menschen suchen Halt in ihrer vertrauten Region. Das sollte aber nicht heißen, dass man sich von der Außenwelt abschottet, sondern es geht darum, die Kontrolle über die eigene Ökonomie wieder in die Hand zu bekommen.

 

Wichtig ist in meinen Augen, dass das Volk eine Vorstellung davon bekommt, was Globalisierung konkret bedeutet, weiß, warum Amerika-Flaggen auf dem T-shirt cool sind und warum Mc Donalds in jeder Stadt vorzufinden ist, auch dass automatisch viel Menschenleid mit diesem Prozess verbunden ist ; und sich so die Frage stellen muss, ob dies der richtige Weg ist, der den wir gehen sollten. Denn wenn der Weg dieser Entwicklung nur von den Wirtschaftsbossen entscheiden werden soll, dann werden es auch allein diese sein, die daraus profitieren.

 

Quellen:

www.wittgenstein2000.at/staff/e_staff_gingrich.html
www.freitag.de.php

www.magazin-deutschland.de

www.inter-cultural.de/globalisierung/globalisierung_dok01.htm
www.globalisierung-online.de


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